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    Ayar-Theorie

    Eine Philosophie des Gewissens

    Dr. phil. Yusuf Ayar

    „Das Gewissen ist eine Gnade Gottes.“

    01

    Der Grundbegriff: Ayar

    Die Ayar-Theorie schlägt ein eigenständiges philosophisches Modell vor, das die Beziehung zwischen Gewissen, Vernunft, Gefühlen, Willen, moralischen Werten, Körper und Spiritualität des Menschen erklären will.

    Der Grundbegriff dieser Theorie ist „Ayar“ (türkisch für Justierung oder Einstellung).

    Ayar ist das fortwährende Bemühen des Menschen, sich immer wieder neu an Wahrheit, Gewissen, Verantwortung, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit auszurichten.

    Der Mensch ist nicht nur ein denkendes Wesen. Der Mensch fühlt auch, hinterfragt, entscheidet, handelt, trägt Verantwortung und versucht, seinem Leben einen Sinn zu geben. Deshalb lässt sich das moralische Leben des Menschen nicht über eine einzige Dimension erklären.

    02

    Die sieben Dimensionen des Menschen

    Die Ayar-Theorie betrachtet den Menschen in sieben grundlegenden Dimensionen:

    1. 01Körper
    2. 02Gefühl
    3. 03Vernunft
    4. 04Gewissen
    5. 05Wille
    6. 06Moral
    7. 07Spiritualität

    Jede dieser sieben Dimensionen drückt eine andere Seite des menschlichen Daseins aus. „Ayar“ ist jedoch keine achte Dimension neben ihnen. Ayar ist das fortwährende Neuherstellen der Beziehung und des Gleichgewichts zwischen diesen Dimensionen.

    Der Grundgedanke der Theorie lässt sich so zusammenfassen:

    Der Körper lebt.

    Das Gefühl empfindet.

    Die Vernunft denkt.

    Das Gewissen hinterfragt.

    Der Wille wählt.

    Die Moral wird zur Lebensweise.

    Die Spiritualität gibt Sinn.

    Ayar aber verbindet alles zu einem Ganzen.

    03

    Irrtum und Neujustierung

    Nach der Ayar-Theorie kann der Mensch Fehler machen, sich irren und einen Widerspruch zwischen seinen eigenen Werten und seinem Verhalten erleben. Doch der Fehler eines Menschen ist nicht sein unabänderliches Schicksal.

    • Der Mensch kann seinen Fehler erkennen.
    • Er kann sich selbst hinterfragen.
    • Er kann Verantwortung übernehmen.
    • Er kann sein Verhalten ändern.
    • Und er kann sich neu justieren.

    Deshalb lautet einer der grundlegenden Prozesse der Theorie:

    1. SEHEN
    2. HINTERFRAGEN
    3. PRÜFEN
    4. WÄHLEN
    5. VERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN
    6. BERICHTIGEN
    7. NEU JUSTIEREN

    04

    Metaphysische Grundlage und Grenzen des Gewissens

    Der metaphysische Ausgangspunkt der Ayar-Theorie ist der Satz „Das Gewissen ist eine Gnade Gottes“. Diese Aussage gilt nicht als wissenschaftlich bewiesenes Ergebnis, sondern als philosophische und theologische Grundlage der Theorie.

    Zugleich behauptet die Theorie nicht, dass das Gewissen unfehlbar ist. Das menschliche Gewissen kann von fehlendem Wissen, Vorurteilen, Kultur, Angst, Eigeninteresse und Gefühlen beeinflusst werden. Deshalb muss das Gewissen zusammen mit der Vernunft, der Suche nach Wahrheit und der Verantwortung betrachtet werden.

    Dieser Ansatz zeigt, dass die Ayar-Theorie kein Denken ist, das nur auf dem „Gutsein“ aufbaut. Im Kern geht es darum, dass der Mensch die Beziehung zwischen dem, was er weiß, und dem, was er tut, zwischen dem, was er glaubt, und dem, wie er lebt, und zwischen dem, was ihm wichtig ist, und seinem Verhalten fortwährend hinterfragt.

    In diesem Sinne konzentriert sich die Ayar-Theorie auf folgende Frage:

    „Was geschieht, wenn der Mensch das Falsche tut, obwohl er das Richtige kennt, und kann er sich neu ausrichten, wenn er sein Unrecht erkennt?“

    05

    Stellung in der Philosophiegeschichte

    Die Theorie will grundlegende philosophische Fragen wie Gewissen, Moral, Willensfreiheit, Verantwortung, Wahrheit, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Charakter und die Wandlung des Menschen in einem gemeinsamen begrifflichen Rahmen behandeln.

    Auch das Verhältnis der Ayar-Theorie zur Philosophiegeschichte lässt sich vergleichend betrachten. Die Selbstprüfung des Sokrates, das Verständnis von Tugend und Gewohnheit bei Aristoteles, der stoische Gedanke der inneren Ordnung, Kants Begriff des moralischen Willens, das Problem der Verantwortung im existentialistischen Denken und die innere Erziehung des Menschen im islamischen Denken lassen sich aus verschiedenen Richtungen mit der Ayar-Theorie vergleichen.

    Dennoch ist die Ayar-Theorie keine historische Theorie dieser Denker. Der Begriff „Ayar“ wird hier als eigenständiger philosophischer Rahmen vorgeschlagen, den Dr. phil. Yusuf Ayar entwickelt hat.

    Ziel der Theorie ist es nicht, bestehende philosophische Ansätze zu ersetzen, sondern ein neues Denkmodell über das Gewissen und die moralische Wandlung des Menschen vorzulegen.

    06

    Offenheit für wissenschaftliche Forschung

    Die Ayar-Theorie will zugleich ein Feld für wissenschaftliche Forschung eröffnen. Die metaphysischen Aussagen der Theorie werden von den Elementen getrennt, die sich im Verhalten erforschen lassen. Themen wie Selbsteinschätzung, die Übereinstimmung von Werten und Verhalten, Verantwortungsübernahme, das Überdenken von Entscheidungen und Verhaltensänderung können künftig als Forschungsfelder in Psychologie, Philosophie, Pädagogik und Sozialwissenschaften gelten.

    Deshalb wird die Ayar-Theorie nicht als abgeschlossenes, über Kritik erhabenes System vorgestellt, sondern als Vorschlag einer philosophischen Theorie, die offen ist für Kritik, Forschung und Weiterentwicklung.

    07

    Kurz gefasst

    Die kürzeste Definition der Theorie lautet:

    „Ayar ist das Bemühen des Menschen, sich an Wahrheit und Gewissen neu auszurichten.“

    Und der Grundgedanke der Theorie:

    „Das Gewissen ist eine Gnade Gottes; Ayar ist die verantwortliche Antwort des Menschen auf diese Gnade.“

    Der Mensch kann Fehler machen.

    Der Mensch kann sich irren.

    Der Mensch kann aus dem Gleichgewicht geraten.

    Doch der Mensch kann sich neu justieren.